Fachliche Einordnung und Qualitätssicherung
Die Tanztherapie hat sich in Deutschland seit den 1970er‑Jahren als Bestandteil der Künstlerischen Therapien entwickelt. Sie wird heute in sehr unterschiedlichen Kontexten praktiziert und ausgebildet. Daraus ergibt sich ein entsprechend heterogenes Qualifikationsniveau, das eine sachliche Differenzierung nach Ausbildungsformen, institutioneller Einbindung und wissenschaftlicher Fundierung erforderlich macht.
Universitäre Entwicklung und wissenschaftlicher Kontext
Lehrveranstaltungen zur Tanztherapie existieren in Deutschland seit 1972/73 an Universitäten. Erste Angebote wurden in Freiburg eingerichtet, ab 1977 kontinuierlich an der Universität Münster, zeitweise auch an der Deutschen Sporthochschule Köln sowie in Kooperation mit der Karls‑Universität Prag.
Die fachliche Einordnung erfolgte von Beginn an im Zusammenhang mit Tanzpädagogik, Tanzpsychologie sowie musik‑ und bewegungsbezogener Forschung. Tanztherapie wurde dabei als Angewandte Tanzpsychologie verstanden: als praxisbezogene wissenschaftliche Disziplin mit künstlerischer Methodik.
Über Jahrzehnte war an der Deutschen Sporthochschule Köln eine universitäre Professur etabliert, deren Aufgabenbereich auch die Tanztherapie umfasste. Von diesem institutionellen Rahmen aus wurden Lehr‑, Weiterbildungs‑, Promotions‑ und Supervisionsprojekte betreut. Zahlreiche Absolventinnen und Absolventen sind heute in klinischen Einrichtungen tätig, in Forschung eingebunden oder international im Hochschulbereich aktiv.
Weiterbildungs‑ und Professionalisierungsstrukturen
Seit 1984 besteht ein berufsbegleitendes Weiterbildungsstudium Tanztherapie, das zunächst universitätsgebunden, später außerhalb der Universität in bewährter Struktur fortgeführt wurde. Es dient der qualitätsgesicherten Vermittlung künstlerischer, therapeutischer und wissenschaftlicher Kompetenzen und ergänzt universitäre Studiengänge durch praxisnahe Vertiefung sowie therapeutische Selbsterfahrung.
Das Studienkonzept wurde regelmäßig evaluiert und weiterentwickelt. Die Einführung von Intensivkompaktformaten ab 2010 trug der Erfahrung Rechnung, dass zielgerichtete, individuell strukturierte Ausbildungsformen eine hohe fachliche Wirksamkeit entfalten können, insbesondere für berufserfahrene Teilnehmende.
Internationale Bezüge
Internationale Impulse, insbesondere aus den USA, haben die Entwicklung der Tanztherapie in Deutschland beeinflusst. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass ausländische Abschlüsse – insbesondere im Bereich postgradualer Tanztherapieprogramme – nicht automatisch den formalen und inhaltlichen Anforderungen der deutschen Hochschul‑ und Wissenschaftsverwaltungen entsprechen.
Diese Unterschiede betreffen u. a.:
- Umfang und Struktur der Studienleistungen,
- wissenschaftliche Anforderungen an Abschlussarbeiten,
- Prüfungs‑ und Bewertungssysteme.
Die Erfahrungen unterstreichen die Notwendigkeit transparenter Kriterien für Anerkennung, Qualitätssicherung und fachliche Vergleichbarkeit.
Fachliche Öffentlichkeit und Publikationsorgane
Ein zentraler Ort des wissenschaftlichen Austauschs ist seit 1987 die Fachzeitschrift
„Musik‑, Tanz‑ und Kunsttherapie – Zeitschrift für Künstlerische Therapien im Bildungs‑, Sozial‑ und Gesundheitswesen“ (Hogrefe Verlag, jetzt Pabst Science Publ.).
Bereits im Titel wurde Tanztherapie ausdrücklich gleichrangig mit Musik‑ und Kunsttherapie geführt, die zu diesem Zeitpunkt bereits über etablierte Hochschulstudiengänge verfügten.
Die Zeitschrift dokumentiert seit Jahrzehnten Forschungs‑, Praxis‑ und Evaluationsbeiträge und trägt zur Standardbildung und fachlichen Orientierung bei.
Qualitätssicherung und Zielsetzung
Wie in allen Bereichen der Künstlerischen Therapien ist das fachliche Niveau in der Tanztherapie unterschiedlich. Vor dem Hintergrund gesundheitlicher, sozialer und bildungspolitischer Verantwortung besteht ein besonderes Interesse an:
- klar definierten Ausbildungsstandards,
- wissenschaftlicher und künstlerischer Fundierung,
- therapeutischer Qualifikation und Supervision,
- transparenter Dokumentation von Studien‑ und Weiterbildungsleistungen.
Die genannten universitären und außeruniversitären Einrichtungen verfolgen das Ziel, diese Standards zu sichern und weiterzuentwickeln – im Interesse der Patientinnen und Patienten ebenso wie im Interesse qualifizierter Fachkräfte.
Einladung zur Zusammenarbeit
Interessierte mit entsprechender Vorbildung sowie qualifizierte Tanztherapeutinnen und Tanztherapeuten sind eingeladen, sich an Fortbildung, Supervision, Qualifikationserweiterung und der Weitergabe von Fachwissen zu beteiligen. Die Weiterentwicklung der Tanztherapie in Deutschland wird als gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft, Praxis und qualitätssichernden Institutionen verstanden.
Ausbildungsformen, institutioneller Einbindung und wissenschaftlicher Fundierung erforderlich macht.


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! Siehe auch 30.10.2019 und 1.4.2021 sowie ZDF Nano vom 16. März 2021 https://youtu.be/zy2bTgE3kOI