Unterschiede

Aufgrund konkreter Analyse der Bewegungsfaktoren, die die Lebensäußerungen bestimmen und sich daher auch zu unterschiedlichen Zwecken einsetzen lassen, sich aber im auditiven, kinästhetischen und visuellen Tun unterschiedlich bemerkbar machen, unterscheiden sich Musik- und Tanztherapie von anderen Psychotherapieverfahren. Sie sind somit für psychiatrische Erkrankungen, insbesondere bei den vorwiegend psychotherapeutisch behandelbaren Störungen wie Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Abhängigkeiten, Geistigbehinderte, Gerontopsychiatrie anwendbar, eignen sich jedoch ebenso vorteilhaft in der Rehabilitation und in schulischen, heil-, sonder- und sozialpädagogischen Bereichen.
Die typisch erziehungswissenschaftliche Fundierung beruht auf der Auffassung von Tanztherapie nicht vorwiegend als medizinischer Disziplin, in der Musik und Tanz eher als adjuvantische Medien genutzt werden, sondern als Angewandte Tanzpsychologie, die den kunstimmanenten Eigenwert von Tanz ebenso berücksichtigt wie seine Wirkung und deren Verwertbarkeit. Tanztherapie im Sinne einer Angewandten Tanzpsychologie erfordert den künstlerisch ausgebildeten Experten, der die Sprache seines nonverbalen Mediums beherrscht und sie versteht und sie obendrein adressatenorientiert und zweckdienlich einsetzen kann. Er muss demnach sowohl wissen, was das künstlerische Objekt an psychischem Geschehen und an Botschaft in sich schließt, als auch das mögliche Spektrum von Verständnissen und Missverständnissen der Wirkung von Musik und Tanz einschätzen, feststellen und damit zum Nutzen des Adressaten umgehen können. Hierin beruht die Notwendigkeit eines tanzpsychologisch orientierten therapeutischen Weiterbildungsstudiums.
Als adressatenbezogene Lehre in der ursprünglichen Bedeutung von Therapie versteht sie sich als "sorgfältig weiterbildende" Selbsterfahrung, die Phänomene wie Übertragung und Gegenübertragung miteinschließen, ohne die bestehenden Unterschiede an Kenntnissen und Fertigkeiten zu ignorieren. Die spezifisch therapeutische bzw. künstlerische Vorbildung kann angerechnet und ihr Fehlen in Zusatzkursen und am Wohnort erworben werden. Die heterogene Zusammensetzung fördert die unverstellte Mannigfaltigkeit an Sichtweisen, die für eine problemzentrierte und handlungsaktivierende Therapie notwendig sind. Mehrschichtiges Lernen ermöglicht ein Bewusstsein eigener situativer und emotionaler persönlicher Reaktionsweisen, wie es für eine therapeutische Beziehung maßgeblich ist, und ein unabdingbares Staunen, das ästhetische Wahrnehmung ausmacht und ein geeignetes therapeutisches Vorgehen planen lässt. 
Das praxisrelevante Lehrangebot basiert auf einer wissenschaftlich untermauerten Didaktik körperlich erfahrbaren handlungsrelevanten Wissens von interindividuellen Erfahrungsgesetzmäßigkeiten, an denen der Teilnehmer seine persönliche Sichtweise erkennt, vergleicht und gegebenenfalls relativiert. Das eigene praktische Tun steht im Vordergrund einer Lehre, die unabhängig von Ort, Zeit und Gruppenzusammensetzung und -geschichte sich auf wissenschaftlich gewonnene empirische Fakten stützt. In jederzeit und unter verschiedenen Bedingungen wiederholbaren Experimenten lässt sie ein Stück Wirklichkeit ästhetisch und positiv erfahren und verbindet so Selbsterfahrung mit systematischem, Erfahrungen des einzelnen einbeziehendem Lernen von Modellen der Diagnostik und therapeutischen Interventionen. Der Kenntniserwerb erhält sein Korrelat im Praxislabor und im Praktikum an therapeutischen Einrichtungen mit Supervision. 
Das Konzept ist nicht auf tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie begrenzt. Lehranalyse - das Psychotherapeutengesetz kennt sie nicht - ist eine historisch bedingte kostentreibende Einrichtung postuniversitärer privater Psychoanalytikerausbildungen und darf von Universitäten bezeichnenderweise auch im Medizin- und Psychologiestudium nicht verlangt werden. Während sich die Kosten für solche teuren Zusatzstunden für approbierte Psychotherapeuten mit der Zeit amortisieren lassen, da die Krankenkassen deren Therapien bezahlen, profitieren in der Tanztherapie von solchen weitgehend wertlosen und oft genug schädlichen "Lehranalysen" hauptsächlich selbsternannte "Lehranalytiker". Für Studierende der Tanztherapie ist sie wegen der Spezifik tanztherapeutischer Effizienz ungeeignet. Wie kaum eine andere Therapierichtung ermöglicht Tanztherapie die der Einzeltherapie mit ihrem oft missbrauchten Abhängigkeitsverhältnis weitaus überlegene Qualität einer Gruppentherapie, in der im Gegensatz zu verbalen Therapien nicht gewartet werden muss, bis ein anderer ausgeredet hat, sondern gleichzeitig miteinander kommuniziert wird und das Beziehungsverhalten sehr viel realistischer als in der Einzeltherapie bzw. Lehranalyse diagnostiziert und trainiert werden kann. Wer Therapie braucht, kann sie sich von der Krankenkasse bezahlen lassen; wer sie nicht braucht, sollte besser die Finger davon lassen (s. www.psychotherapie.de). Ergänzender tanztherapeutischer Unterricht kann vermittelt werden.
Das Programm endet mit einer Prüfung, die von Professoren mit uneingeschränkter Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde und Leitenden Ärzten, die die Bezeichnung "Arzt für Psychotherapie" führen, abgenommen wird und die Ärzten als fakultativer Teil beim Erwerb der Zusatzbezeichnung "Arzt für Psychotherapie" angerechnet werden kann. 
Dieses berufsbegleitende Weiterbildungsstudium versteht sich als Angewandte Tanzpsychologie. Er geht von der veränderten klinischen, pädagogischen und sozialtherapeutischen Wirklichkeit aus. Der künstlerische Therapeut mit Spezialisierung in Tanz- und Bewegungstherapie betont die kreative Selbsterfahrung durch Bewegung und die Eigenheiten und Gemeinsamkeiten dieser Therapieform in übergreifender Theorie und Praxis und berücksichtigt über sein spezielles künstlerisches Medium und Tun hinaus stets auch die Eigenheiten und besonderen Qualitäten der übrigen Sinne.

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